Datenhoheit mit Nextcloud zurückgewinnen

Datenhoheit mit Nextcloud zurückgewinnen

 15.09.2019 -  Sebastian Pech -  ~4 Minuten

Google, Microsoft, Amazon, Apple und viele mehr wollen mit Produkten wie OneDrive, Dropbox, Google Drive und iCloud Einsicht in unsere persönlichen Daten und Fotos. Der große Vorteil der Dienste ist, dass diese sich sehr leicht installieren und einrichten lassen. Viele Programme sind auf modernen PCs und Mobilgeräten bereits vorinstalliert. Mit Nextcloud gibt es aber eine einfache Variante die Datenhoheit wieder zurück zu bekommen. Für alle Endgeräte stehen passende Apps und Programme zur Verfügung. Ich habe den Schritt vor ein paar Monaten gemacht und teile hier meine Erfahrungen.

Nextcloud

Für die Beschreibung was Nextcloud ist zitiere ich hier gerne Wikipedia.

Nextcloud ist eine freie Software für das Speichern von Daten (Filehosting) auf einem eigenen Server. Bei Einsatz eines Clients wird der Server automatisch mit einem lokalen Verzeichnis synchronisiert. Dadurch kann von mehreren Rechnern, aber auch über eine Weboberfläche, auf einen konsistenten Datenbestand zugegriffen werden. Im Gegensatz zu kommerziellen Speicherdiensten wie Dropbox oder OneDrive kann Nextcloud auf einem privaten Server oder Webspace ohne Zusatzkosten installiert werden. Dadurch behält man die vollständige Kontrolle über seine Daten und die Bedenken gegenüber einem Datenmissbrauch werden minimiert. (Quelle: Wikipedia - Nextcloud)

Grundsätzlich sind bei dem Einsatz von Nextcloud drei Betriebsvarianten möglich.

Managed Nextcloud

Viele Hostingprovider bieten unter verschiedenen Namen ein komplettes Hosting von Nextcloud Instanzen an. Dabei muss man sich nicht mehr selber um die Administration und Updates kümmern. Die Daten liegen allerdings weiterhin bei einem Fremdanbieter. Da dieser jedoch an der Dienstleistung des Hostings Geld verdient sollten die Daten hier sicherer sein. Nextcloud bietet zusätzlich auch eine Verschlüsselung der Daten an. Dies wirkt sich zu kleinen Teilen auf die Performance aus.

Nextcloud selber hosten

Hier gibt es die beiden letzten Varianten. Entweder wird Nextcloud auf einem gemieteten Server selber betrieben oder auf einem eigenen Gerät zuhause (beispielsweise ein Miniserver oder Raspberry Pi). Beide Varianten legen die Verantwortung für Sicherheit, Backups und Patches in die eigenen Hände. Auf der anderen Seite erhält man dafür noch mehr Kontrolle über die eigenen Daten.

Ist die Entscheidung für eine Variante gefallen geht es darum die Daten in Nextcloud zu bekommen und die passenden Add-Ons zu aktivieren.

Nextcloud Synchronisierung

Für Windows, Linux und macOS stehen Softwarepakete zur Verfügung die das Synchronisieren von einzelnen Ordern und ganzen Ordnerstrukturen ermöglichen. Für Android Geräte gibt es eine offizielle Nextcloud App im Google Play Store und für Apple im App Store.

Mit den Apps lassen sich über alle Geräte hinweg die Daten austauschen. Zusätzlich können die Dateien über die Weboberfläche verwaltet werden. Sämtliche Dateiänderungen sind dort auch im Log protokolliert.

Notizen

Bevor ich Nextcloud genutzt habe waren meine Daten in Textdateien, OneNote, Android Notes oder Joplin verteilt. Glücklicherweise gibt es die Notes App. Zusammen mit der Android App lassen sich Notizen so überall verwalten. Ich finde die Kategorisierung in der Weboberfläche es fummelig, so dass ich die Notizen dort nur über die Notes App anlegen lasse und dann in der Datenansicht mit dem Markdown Editor bearbeite bzw. lokal mit Visual Studio Code oder Notepad++.

Kalender und Kontakte

Google Kalender machte bisher einen sehr guten Job für meine Kontakte und Termine allerdings hat Nextcloud auch hier einen sehr guten Ersatz. Die Nutzung ist nach einer ersten Einrichtung dann auch unkompliziert. Zuerst werden wieder die Apps für Calendar und Contacts aktiviert. Danach stehen die Funktionen grundsätzlich zur Verfügung. Je nach Endgerät gibt es nun verschiedene Wege diese zu nutzen.

Für Android Geräte weißt die Nextcloud App auf DAVx⁵ – CalDAV/CardDAV-Client hin. Nach der Installation der App lässt sich diese automatisch aus der Nextcloud App konfigurieren. Die Kontakte und Kalender stehen danach wie die Googledienste zur Verfügung.

Thunderbird kann die Kontakte über CardBook synchronisieren. Der Kalender wird über Lightning angezeigt.

Bookmarks

Für Lesezeichen gibt es natürlich auch eine Bookmarks App. Die Weboberfläche davon finde ich persönlich absolut unbrauchbar. Allerdings soll der Dienst bei mir nur über alle Endgeräte die Bookmarks synchronisieren, so dass ich nicht die Notwendigkeit habe diese nutzen zu müssen.

Android Geräte könne mit der Nextcloud Bookmarks App verwaltet werden. Für Firefox und Google Chrome gibt es Extensions.

Fazit

Ich bin seit einigen Monaten sehr zufrieden mit dem Wechsel. Für die Einrichtung muss man sich einmal etwas Zeit blocken und ein paar Apps kosten Geld dafür werden diese auch ordentlich gepflegt. Für ein paar Euro im Monat lassen sich also die eigenen Daten sicherer verwalten. Für ganz private Daten gilt aber nach wie vor das diese auf Cloudgeräten nichts zu suchen haben, sondern nur auf Offlinemedien!

 

Bildquelle: Wynn Pointaux auf Pixabay.