Terrarium Größe für Schlangen und Echsen

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Einer der größten Streitpunkte unter Terrarianeren ist die Terrarium Größe. Es gibt hierzu auch viele unterschiedliche Ansichten und Grundlagen. In diesem Artikel stelle ich die wichtigsten Themen vor und beschreibe die unterschiedlichen Maße für diverse beliebte Echsen und Schlangen im Terrarium.

Das Terrarium

Zuerst einmal die genaue Frage was eigentlich so ein Terrarium ist? Weil hier die geballte Intelligenz des Internets schon fleißig war genehmige ich mir das Zitat aus der Wikipedia.

_Terrarien (von lateinisch terra „Land, Erde“) sind Behälter und Anlagen, die Terrarianer zur Haltung verschiedener Tiere und Pflanzen betreiben. Anders als bei Aquarien dominiert der Landanteil und/oder der Luftraum. Aquarien und Terrarien werden unter dem Oberbegriff Vivarien zusammengefasst. Terrarien bestehen meist aus Glas, Kunststoff oder Holz und sind an zumindest einer Seite einsehbar. Oft wird der Lebensraum der gepflegten Tiere oder Pflanzen im Terrarium auf kleinerem Raum nachgebildet. Der Terrarianer bemüht sich um angepasste Klimatisierung: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wasserwerte und Beleuchtung werden gesteuert, inklusive ihrer jahreszeitlichen und täglichen Schwankungen. (Quelle: Wikipedia – Terrarium)_

Damit ergibt sich die oben genannte Aussage das hier ein Ausschnitt aus dem Lebensraum der Tiere nachgebildet wird (oder besser werden sollte!). Stellt sich also die Frage wie man tausende von Quadratkilometern in ein Terrarium packt.

Zu groß gibt es nicht?

Grundsätzlich ist die Aussage, dass ein Terrarium nie zu groß sein kann erstmal korrekt. Diese muss aber für das artgerechte Halten der Tiere genauer betrachtet werden. Jedes Tier stellt diverse Anforderungen an sein Terrarium. Zum einen soll die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit passen zum anderen muss die Einrichtung möglichst nah an dem echten Lebensraum angelehnt sein. Ist das Terrarium also sehr groß dann muss auch eine enorme Technik verbaut werden um die klimatischen Anforderungen zu erfüllen. Je größer das Becken ist umso mehr muss auch die Einrichtung sinnvoll und ausgiebig platziert werden. Ein 10 Meter langes Becken für eine kleine Zwergbartagame macht wenig Sinn wenn dort nur ein Baumstamm drin liegt. Ein Terrarium ist damit also mindestens ein Kompromiss aus Größe, Technik und Einrichtung. Dennoch, je größer desto besser gilt!

Oft gibt es auch die Argumente, dass bestimmte Tiere in zu großen Terrarien schlecht fressen usw. Hier sollte zuerst einmal die Einrichtung geprüft werden. Wenn die Tiere wie auf dem Präsentierteller liegen in Ermangelung von Höhlen und Rückzugsorten stellt sich sicher kein Gefühl von Sicherheit ein!

Glücklicherweise lässt sich dies aber artgerecht in Einklang bringen.

Richtlinien zur Größe

Eine Angabe von Mindestmaßen bietet hierfür die _Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien_ vom 10. Januar 1997. Ebenfalls hilfreich sind die etwas größeren Werte der _Richtwerte zur erforderlichen Größe von Tiergehegen in Thüringen_ zur Erfüllung stets hoher Anforderungen an die Tierhaltung gemäß § 33 Abs. 3 Nr. 2 ThürNatG (Stand: 13.08.11). Beide Dokumente sind wirklich als absolute Mindestmaße zu verstehen. Die Dokumente sind keine gesetzlichen Vorgaben aber dienen allen staatlichen Institutionen und Tierärzten als Grundlage zur Bewertung von Terrarien. Unter Züchtern, Haltern und Experten sind die Angaben durchaus umstritten. Viele Empfehlungen sind zu klein für bestimmte Tierarten. Bei anderen ist der Multiplikator möglicherweise etwas unglücklich gewählt, so dass es mitunter zur „Explosion“ der Größe kommt.

Mittlerweile gibt es zusätzlich „Der Haustierberater„, das offizielle Portal des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Die Angaben orientieren sich dabei an den Mindestanforderungen und geben dabei aber den Hinweis auf Praxiserprobte Größen. Nach einem ersten Blick auf mir bekannte Echsen und Schlangen sind diese Werte an vielen Stellen durchaus geeignet und teilweise sogar recht großzügig bemessen. Zusätzlich erhält der Leser weitere Informationen über die Ersteinrichtung der Terrarien, Herkunft und Lebensweise, Haltung und Fütterung. Ein durchaus gutes Portal für einen ersten Überblick bevor weitere Literatur angeschafft wird.

Die richtige Größe

Wie oben beschrieben gibt es die perfekte Größe nicht. Es gibt nur artgerechte Terrarien und bewährte Größen. Diese möchte ich im Folgenden Anhand mehrere Quellen und in Relation zu den oben genannten Mindestmaßen vorstellen. Dabei beschränke ich mich auf eine Auswahl von oft gehaltenen Terrarientieren über die ich ebenfalls Kenntnisse verfüge bzw. intensive Recherche betrieben habe! Die Listen sind dabei aufgeteilt in Echsen und Schlangen und diese wiederum in diverse Gattungen und Arten.

Echsen

Die Berechnungen bei den Mindestanforderungen (siehe oben) an die Haltung von Echsen beziehen sich immer auf die Kopf-Rumpf-Länge der Tiere. Ich gehe hierbei immer von der durchschnittlichen Größe der Tiere aus (nach Angabe der Richtlinien)! Die Angabe in den Klammern geben die Anzahl der Tiere für die Größe an. Dies muss nicht zwangsläufig die ideale Zusammenstellung sein! Viele Echsen sind Einzelgänger oder werden besser in Gruppen wie 1,2 oder 1,3 gehalten!

Alle Werte sind immer als Mindestgröße zu verstehen sofern nicht anders angegeben!

Chinese Water Dragon
Chinese Water Dragon

Streifenköpfige Bartagame (Pogona vitticeps)

Grundlage: Sie erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 250 mm und eine Schwanzlänge bis etwa 300 mm. (Wikipedia – Streifenköpfige Bartagame)

Zwergbartagame (Pogona henrylawsoni)

Grundlage: Die Zwergbartagame erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 15 cm. (Wikipedia – Zwergbartagame)

Leopardgecko (Eublepharis macularius)

Grundlage: Leopardgeckos werden zwischen 25 und 30 Zentimeter lang. (Wikipedia – Leopardgecko (Art))

  • Mindestanforderungen (1 – 2; Ø KRL: 0,13 m): 52 x 39 x 26
  • Richtlinien (1 – 2): Wie Mindestanforderungen
  • Lucky Reptile Steckbriefe (2): 80 x 40 x 40
  • Haustier-Berater (1 – 2): 80 x 40 x 50
  • Haustier-Berater (3 – 4): 100 x 50 x 50
  • Zoofachhandel (1 – 3): 100 x 50 x 50
  • Internet (3 – 4): 120 x 50 x 60 www.der-leopardgecko.de
  • Internet (3): 100 x 50 x 50 www.leopardgeckos.de
  • Buch (4 – 5): 120 x 60 x 60 Leopardgeckos von Karsten Grießhammer und Gunther Köhler

Blauzungenskink (Tiliqua scincoides)

Grundlage: Der Blauzungenskink wird zwischen 45 und 55 cm lang, wobei der Schwanz etwa 20 cm ausmacht. (Wikipedia – Gemeiner Blauzungenskink).

Einzelhaltung empfohlen!

  • Mindestanforderungen (1 – 2; Ø KRL: 0,33 m): 198 x 132 x 99
  • Richtlinien (1 – 2): Wie Mindestanforderungen aber Höhe 100 cm fest
  • Lucky Reptile Steckbriefe (Einzelhaltung): 120 x 80 x 60
  • Zoofachhandel (1): 150 x 60 x 60
  • Internet (1): 200 x 50 x 50 www.exotische-tiere.net
  • Internet (1): 200 x 50 x 50 www.haustierratgeber.de

Schlangen

Die Berechnungen bei den Mindestanforderungen (siehe oben) an die Haltung von Schlangen beziehen sich immer auf die Gesamtlänge der Tiere. Ich gehe hierbei immer von der durchschnittlichen Größe der Tiere aus (nach Angabe der Richtlinien)! Die Angabe in den Klammern geben die Anzahl der Tiere für die Größe an. Dies muss nicht zwangsläufig die ideale Zusammenstellung sein! Schlangen sind Einzelgänger oder werden besser in Gruppen wie 1,2 oder 1,3 gehalten!

Alle Werte sind immer als Mindestgröße zu verstehen sofern nicht anders angegeben!

Kornnatter (Pantherophis guttatus)

Grundlage: Mit einer typischen Körperlänge von 120 bis 150 cm zählt sie zu den mittelgroßen Arten innerhalb der Gattung der Amerikanischen Kletternattern (Pantherophis). (Wikipedia – Kornnatter)

  • Mindestanforderungen (1 – 2; Ø KL: 1,8 m): 180 x 90 x 180
  • Richtlinien (1 – 2): Wie Mindestanforderungen aber Höhe 180 cm fest
  • Lucky Reptile Steckbriefe (1 – 2): 150 x 60 x 120
  • Haustier-Berater (1 – 2): 130 x 70 x 130
  • Zoofachhandel (1 – 2): 120 x 60 x 120
  • Internet (1): 120 x 60 x 120 www.kornnatter.net
  • Internet (1): 120 x 80 x 80 www.terrariumtech.de
  • Buch (1 – 2): 60 x 60 x 80 Kornnattern von Wolfgang Schmidt
Kornnatter rot braun
Kornnatter rot braun

Königspython (Python regius)

Grundlage: Adulte Individuen haben meist Kopf-Rumpf-Längen von 0,8 bis 1,5 m und erreichen maximal etwa 2 m Gesamtlänge. (Wikipedia – Königspython)

Abgottschlange / Kaiserboa (Boa constrictor imperator)

Grundlage: Je nach Unterart bis 300 cm. (Wikipedia – Abgottschlange – Kaiserboa (Boa imperator)). Hier gehe ich einmal von den größten Tieren aus. Es gibt sehr viele Unterarten je nach Verbreitungsgebiet.

  • Mindestanforderungen (1 – 2; Ø KL: 3 m): 225 x 150 x 200 (Höhe fix bei 200 cm)
  • Richtlinien (1 – 2): Wie Mindestanforderungen
  • Lucky Reptile Steckbriefe (1 – 2): 200 x 80 x 150
  • Haustier-Berater (1 – 2): 250 x 100 x 200
  • Zoofachhandel (1 – 2): 200 x 80 x 150
  • Internet (1 – ?): 180 x 80 x 80 www.md-terraristik.de
  • Buch (1 – 2): 225 x 150 x 150 Boa Constrictor von Stefan Binder
  • Buch (1 – 2): Verweis auf die Mindestanforderungen mit Kommentaren zur Höhe – Boas und Pythons von Hermann und Erika Stöckl

Dschungel-Teppichpython (Morelia spilota cheynei)

Grundlage: Erwachsene Tiere haben eine Länge von 150 bis 210 cm. (Wikipedia – Morelia spilota cheynei)

  • Mindestanforderungen (1- 2; Annahme 180 cm): 135 x 90 x 180
  • Lucky Reptile Steckbriefe (1 – 2):  150 x 80 x 200 (Höhe fix bei 200 cm)
  • Zoofachhandel (1 – 2): 150 x 60 x 150
  • Internet (1): 120 x 80 x 120 www.terrariumtech.de
  • Internet (1 – x): 120 x 70 x 100 www.morelia-pythons.eu
  • Internet (x): Marc Mense – DER Morelia Experte in Deutschland – www.morelia-spilota.de
  • Buch (1 – 2): 120 x 120 x 130 oder 150 x 70 x 160 oder 200 x 80 x 130 Rautenpythons von Marc Mense

Quellen

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Bildquelle: Pixabay.com