Kurzgeschichte: Der letzte Ritt

„Was fehlt Sammy denn?“ fragte Samantha voller Furcht. Der Tierarzt untersuchte den wunderschönen schwarzen Haflinger, den Samantha vor genau sieben Jahren von ihren Eltern geschenkt bekommen hatte. Sie sah wie sich das Gesicht von Doktor Berg verzog, Sorgenfalten breiteten sich über seiner Stirn aus und Trauer schien seine Augen schmal werden zu lassen.

Samantha wippte unruhig von einem Fuß zum anderen und ihre Aufregung wuchs ins unermessliche. „Sammy ist sehr krank meine liebe Samantha.“ Er holte tief Luft um den Satz fortzusetzen „ich befürchte er wird den nächsten Tag nicht erleben.“. Tränen begannen über Samanthas Wangen zu rollen, während sie ihren Kopf an Sammys Hals drückte. „Können Sie denn nichts für ihn machen Doktor Berg. Bitte sie müssen Sammy retten.“. Er nahm vorsichtig ihre Hand „Er hat nur noch wenige Stunden aber er sollte sie mit dir verbringen.“

Samantha wusch sich ihre Tränen aus dem Gesicht nahm Sammy an den Zügeln und führte ihn zum großen Hoftor. Als sie das Tor passierte stieg sie auf seinen Rücken und galoppierte mit ihm den Bergen entgegen.

Samanthas Mutter nahm aufgeregt den Telefonhörer in die Hand. „Praxis Doktor Schmidt. Herr Schmidt am Apparat“ hörte sie durch den Hörer. „Sind Samanthas Ergebnisse endlich da Doktor?“. Nach einem kurzen schweigen antwortete Doktor Schmidt „Leider muss ich Ihnen mitteilen dass ihre Tochter einen irreparablen Gehirntumor hat. Wir wissen leider nicht wie lange sie noch zu leben hat. Es tut mir sehr leid.“ Sie ließ den Hörer fallen und fiel unter Tränen in den alten Sessel der im Wohnzimmer stand.

Samantha und Sammy ritten den ganzen Tag durch die Wälder und Flüsse immer auf die großen roten Berge zu, die langsam die Sonne hinter ihren riesigen Felsen versteckten. Sie ritten die Berge hinauf zu einem alten Indianer Grab und niemand hat sie je wieder gesehen. Doch wenn man abends in die Berge schaut so kann man die Geister der beiden in den Sonnenuntergang reiten sehen.